Aus der Ortsgeschichte von Prohlis

Napoleon Bonaparte - Der Mensch Bonaparte
Kurzfassung eines Vortrages während des Prohliser Herbstfestes 2012
im Palitzsch-Museum gehalten
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napoleon
Napoleon Bonaparte

 

 

Was wissen wir eigentlich über den Menschen Bonaparte? Wie viel Sie, lieber Leser wissen, das weiß ich natürlich nicht. Mein Wissen über Napoleon Bonaparte bewegte sich, bevor ich mich intensiv mit seiner Person beschäftigte, auf dem Niveau von Schulwissen. Aus heutiger Sicht, ist das viel zu wenig. Alle wissen, dass Napoleon Kriege geführt hat, dass er viele der Schlachten gewonnen hat, es einen fürchterlichen Übergang seiner Armee in Russland über die Beresina gab. Zum Wissen gehört aber auch, dass er zwei Königreiche in Deutschland, Sachsen und Württemberg gebildet hat, gewissermaßen als Belohnung für Treue und Unterstützung seiner Pläne. Aber es gibt mehr, sehr viel mehr, was zum Menschen Bonaparte zu sagen ist.

 

15. August 1769 auf Korsika geboren und auf St. Helena am 5. Mai 1821 gestorben. Er wird von der Mutter in italienischer Sprache erzogen und erlernt erst mit 9 Jahren die Sprache der Franzosen, deren Kaiser er später sein wird. Napoleon heiratet zuerst Josephine. Von ihr lässt er sich scheiden, um die Tochter des österreichischen Kaisers, Marie-Luise zu ehelichen. Mit ihr bekommt er am 20. März 1811 einen Sohn, Napoleon-Francois-Joseph-Charles Bonaparte. So arbeitet er an einem Werk, dem Code Civil, ein Werk, dass das Ziel hat, einheitliche Gesetzesnormen für Frankreich und später für ganz Europa zu schaffen. So sagte er 1805 in einem Gespräch folgendes: „Die europäische Gesellschaft bedarf der Erneuerung. Es muss eine überlegene Macht geben, die alle anderen Mächte dominiert, die über hinreichend Autorität verfügt, die anderen dazu zu zwingen, miteinander in harmonischer Eintracht zu leben – und für diese Aufgabe ist Frankreich am besten geeignet. Wir brauchen ein europäisches Rechtssystem, ein europäisches Berufungsgericht, eine gemeinsame Währung, einheitliche Maße und Gewichte, einheitliche Gesetze.“ Man könnte sagen, die Europäische Union lässt grüßen. Der Schweiz zwingt Napoleon eine Mediationsakte 1802 auf, die bis heute als Verfassung nach wie vor Gültigkeit hat. Aus allen von ihm besetzten Ländern nimmt er Kunstwerke mit nach Frankreich. Gemälde z. B. entsprechend auszuwählen, damit beauftragt er Dominique-Vivant Denon. Auf diesen Mann geht die Gründung des Louvre zurück. Viele Komponisten seiner Zeit beauftragt er mit Kompositionen. Zu nennen wären Giovanni Paisiello, Gaspare Spontini, Luigi Cherubini, Francois-Joseph Gossec, Daniel-Francois-Esprit Auber und vielleicht noch Ignaz Joseph Pleyel. Unbedingt genannt werden muss noch Claude Joseph Rouget. Er dichtete zur Musik von Pleyel einen Text, den alle Franzosen kennen und zu entsprechenden Gelegenheiten mitgesungen wird: „Allons, enfants de la patrie, Le jour de gloire est arrive!“, der Marseille.

Waterloo, der Ort, der die endgültige Niederlage Napoleons brachte. Vieles war erreicht, vieles, sehr vieles blieb unerreicht. Deutschland z.B., zerfiel nach dem Wiener Kongress in unsäglich viele kleine Staaten, von Einigung war keine Spur mehr zu sehen. Napoleon wurde verbannt auf St. Helena, einer Insel weit weg von Frankreich, ohne eine Möglichkeit, von dort zu entkommen. Begleitet von den Treuesten der Treuen, die bis zu seinem Ableben zu ihm hielten. Ein Triumph war ihm dann doch noch zu Teil geworden, die Rückkehr nach Frankreich und der glanzvolle Einzug in Paris und die Beisetzung in den Invalidendom.

Christian Girbig

Dieser Artikel erschien im Jahr 2013 in der Festschrift des 22. Prohliser Herbstfestes.

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