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Geschichten aus dem alten Prohlis

Das Mausoleum der Freiherren v. Kap-herr in Lockwitz

 

Mausoleum vor 1945

Viele Bürger im Ortsamtsbereich Prohlis haben beim Spaziergang an der Krähenhütte in Lockwitz sicherlich schon das Mausoleum gesehen. Nur den wenigsten ist jedoch dessen Bedeutung bekannt.

In den Jahren 1871 - 1872 ließ der damalige Besitzer des Rittergutes Schloß Lockwitz, Carl Johann Freiherr v. Kap-herr, neben dem ehemaligen Forsthaus seines Rittergutes das Mausoleum als Erbbegräbnisstätte für sich und seine Geschwister sowie dessen Nachkommen errichten. 

Zur Errichtung des Mausoleums im griechischen Tempelstil nach Entwürfen des Dresdner Baumeisters Bernhard Schreiber wurden als Bauführer und Maurermeister die beiden Semper-Schüler (und Lockwitzer Bürger) K. Kirsten und C. Kreyhsig beauftragt, welche im übrigen auch einige Jahre später vom Bruder des Bauherren, Johann Christian Freiherr v. Kap-herr, mit der Errichtung des Schlosses in Prohlis beauftragt wurden.

 

Das Mausoleum vor 1945

Zwei ionische Säulen schmücken die Vorderfront des Sandsteingebäudes. Ein eisernes Tor mit 2 Flügeln verschloß im Inneren die große Treppe zu den 48 Grabkammern in der unterirdischen, gewölbten Gruft. Die Begräbnisstätte war umzäunt mit einem eisernen Einfriedungsgeländer.

Von 1873 an wurden hier die Angehörigen der Familien v. Kap-herr aus Lockwitz, Bärenklause und Prohlis beigesetzt, zum Teil aber auch aus St. Petersburg, Mecklenburg, Paris und anderen Orten hierher überführt.

Bald nach Ende des 2. Weltkrieges wurden die Grabkammern von Plünderern aufgebrochen und in verwüstetem Zustand hinterlassen. Seit der Wiedervereinigung ist das Mausoleum leider zur Stätte jugendlicher "Gruselveranstaltungen" und darüberhinaus zum Graffitiobjekt verkommen. 

Sämtliche Versuche der Nachfahren des damaligen Bauherrn, mit aufwendigen Sicherungsmaßnahmen dieses kulturhistorisch bedeutsame Semper-Bauwerk vor weiterer Zerstörungswut zu schützen, sind bislang kläglich gescheitert.

So bleibt den Kulturfreunden in unserem Heimatbezirk nur noch die Hoffnung, daß irgendwann die Vernunft siegen wird.
Moritz Frhr. v. Crailsheim     Mail an den Autor

Dieser Artikel erschien im Jahr 1998 in der Festschrift des 7. Prohliser Herbstfestes.

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