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Geschichten aus dem alten Prohlis

Die Geschichte der Freiherren von Kap-herr in Dresden

 

Familie Kap-her vor 1866

Die Familie der Freiherren von Kapherr wird häufig mit den Dresdner Stadtteilen Lockwitz und Prohlis in Verbindung gebracht, über ihre Geschichte ist eher wenig bekannt.

Nun, die Familie stammt wohl aus dem Niederländischen, ein Teil war jedoch schon seit Ende des 17. Jahrhunderts in Mecklenburg sesshaft. Die eigentümliche Schreibweise des Namens wurde übrigens schon in dieser Zeit angenommen, um eine unrichtige Aussprache (Kapher) zu verhindern.

 

Familie des Herrman Christian Freiherrn von Kap-herr (Foto vor 1866)

Ein Sproß der deutschen Linie, Hermann Christian Kap-herr (1.v.l.), ging zu Anfang des 19. Jahrhunderts als junger Mann nach St. Petersburg, wo sein Onkel Johann Christian von Kap-herr als Kaiserlich Russischer Staatsrat bereits hohes Ansehen genoß und dessen Söhne ebenso erfolgreiche Karrieren machten. Auch Hermann Christian erlangte als Bankier und „St. Petersburger erster Gilde Kaufmann“ dort höchste Ehren: er wurde unter anderem Kaiserlich Russischer Staatsrat, Ritter, Erblicher Russischer Ehrenbürger und Königlich Spanischer Konsul. Der Großherzog von Hessen-Darmstadt erhob ihn 1868 in den erblichen Freiherrenstand.

Im Todesjahr 1866 seiner Frau Charlotte Dorothea (5.v.l.) kaufte er in Dresden das Schloßgut Lockwitz, zog 1867 nach Dresden und erwarb 1868 die Schloßgüter Bärenklause und Prohlis dazu. Die Schloßgüter überließ er seinen älteren Söhnen Carl Johann/Lockwitz (3.v.l., dahinter seine Frau Amélie Jane, 4.v.l.), Hermann Friedrich/Bärenklause (4.v.r., dahinter seine Frau Elisabeth, 3.v.r.) und Johann Christian/ Prohlis (5.v.r.). Sein jüngster Sohn Alexander Wilhelm (kleines Foto auf dem Tisch) lebte in Paris und wurde einmalig abgefunden, seine Tochter Marie Sophie (2.v.r.) war vermählt mit Karl Siemens (1.v.r.), dem Bruder des berühmten Werner von Siemens, verstarb bereits 1869 in Berlin. Selbst bezog Hermann Christian 1874 das für ihn von den Semper-Schülern Kirsten und Kreyhsig erbaute Palais Kap-herr am Großen Garten in der Parkstraße. Dort starb er 1877. Ein Fünfteil seiner umfangreichen Hinterlassenschaft sollte zur Versorgung seiner Nachkommen dienen, indem er in seinem Testament hierfür die Einbringung in die “Freiherrlich von Kap-herr’sche Senioratsstiftung” verfügte.

Genaueres über Hermann Christians großzügiges Wirken in Dresden ist bisher nicht erforscht. Seine Söhne Carl Johann und Johann Christian sowie deren Nachkommen jedenfalls förderten bis 1945 maßgeblich das soziale und kulturelle Leben in den Dörfern Lockwitz und Prohlis. Bärenklause wurde nach Hermann Friedrichs Tod von dessen Kindern 1887 wieder verkauft.

Heute sind leider nur wenige Überreste der Kap-herr’s in Dresden zu finden. Die zahlreichen Nachkommen sind weltweit verstreut, das Palais Kap-herr wurde im Februar 1945 zerstört, Schloß Prohlis wurde 1980 angezündet und 1985 abgerissen, der Verbleib der Stiftung ist ungeklärt. Erhalten, wenn auch in desolatem Zustand, sind nur noch Schloß Lockwitz und das 1872 errichtete Mausoleum an der Krähenhütte in Lockwitz, wo alle bis 1945 verstorbenen Familienmitglieder beigesetzt wurden.

Moritz Frhr. v. Crailsheim            Mail an den Autor

Dieser Artikel erschien im Jahr 1999 in der Festschrift des 8. Prohliser Herbstfestes.

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