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Geschichten aus dem alten Prohlis

Das Rittergut Lockwitz

Mittelpunkt im Ort Lockwitz war allzeit das Rittergut, welches erstmals im Jahr 1349 urkundlich erwähnt wurde. Die Strukturen des Rittergutes veränderten sich seitdem vielfach, meist aufgrund häufiger Besitzerwechsel.

Erwähnt seien beispielsweise Hofmarschall Johann Georg von Osterhausen, der im Jahr 1620 die Rittergüter Lockwitz und Nickern zusammenführte und 1621 in Lockwitz ein neues Schloß und 1623 eine neue Schloßkirche errichten ließ.

Schloß Lockwitz um 1906

Oder Geheimrat Gotthelf Friedrich von Schönberg, der 1680 und 1692 die Rittergüter Nieder- und Oberlockwitz erwarb und von 1699 bis 1702 die Schloßkirche zu heutigem Ausmaß umbauen ließ. Oder Johann Friedrich Graf von Dallwitz, der etwa um 1740 wiederum ein völlig neues Schloß aufbaute.

 

Im Jahr 1906 gehörte das damals ca. 265 ha große Rittergut Lockwitz nebst Kirchenpatronat Hermann Thomas Frhr. v. Kap-herr. 
Sein Vater Carl Johann hatte es 1866 erworben und ließ danach unter anderem das Schloß umbauen und aufstocken, die Wirtschaftsgebäude erweitern, eine große Schloßgärtnerei mit Orangerie erbauen, einen herrschaftlichen Schloßpark anlegen und das Mausoleum auf dem Krähenhügel errichten.

Schloßgärtnerei um 1906

Zwei Weltkriege, Wirtschaftskrisen sowie Enteignung und Deportation der Nachkommen von Hermann Thomas im Jahr 1945 beendeten die blühendste Phase in der Geschichte des Rittergutes Lockwitz.

Durch die Bodenreform wurden die Ländereien aufgeteilt und später mit dem Gutsbetrieb der LPG zugeführt. Das Schloß beherbergte ab 1946 die Staatliche Feuerwehrschule, in den 1950-er Jahren wurde es zur Betriebsschule für Geodäsie und Kartographie umgebaut. Im Schloßpark wurden 2 Schulbaracken und für die Freiwillige Feuerwehr 2 KFZ-Hallen errichtet.

Im Jahr 2001 wurde der Schulbetrieb geschlossen. Seitdem gibt es – mit Ausnahme der Freiwilligen Feuerwehr – keine Nutzer mehr für die zunehmend verfallende Schloßanlage.

Moritz Frhr. v. Crailsheim        Mail an den Autor

Dieser Artikel erschien im Jahr 2006 in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Schule in Lockwitz.

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