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Geschichten aus dem alten Prohlis

Großmutter und Enkelin

Großmutter und Enkelin

So manchem Leser ist das hier abgebildete Motiv der „Großmutter und Enkelin“ wohlbekannt, sei es im Original als großformatiges Gemälde im Albertinum zu Dresden oder als Reproduktion auf Postkarten, Briefmarken und kleinen Wandbildern.
Es gibt aber auch enge Zusammenhänge mit Prohlis.

Denn das Gemälde wurde geschaffen von dem Maler Julius Scholtz, nach dem die Julius-Scholtz-Straße im Stadtteil Leubnitz-Neuostra des Ortsamtbereiches Prohlis benannt ist. Und das dargestellte Motiv zeigt die Stammutter der einst in Lockwitz, Prohlis und Bärenklause ansässigen Familie der Freiherren von Kap-herr, Charlotte Dorothea Kap-herr mit einer Enkelin.

Im Jahre 1863 hatte der St. Petersburger Bankier Hermann Christian Kap-herr (Rostock 1801 – Dresden 1877) den Maler Julius Scholtz beauftragt, seine Gemahlin Charlotte Dorothea mit der zweijährigen Enkelin Charlotte Maria Julia zu porträtieren. Entstanden war ein Meisterwerk des Künstlers, dem später noch fünf weitere Aufträge für Bildnisse von Familienmitgliedern folgten.

 

Julius Scholtz, Großmutter und Enkelin, 1863

Julius Scholtz (Breslau 1825 – Dresden 1893) war damals ein sehr gefragter Bildnis- und Historienmaler, wohl immer um eine moderne Malweise bemüht, die Eleganz, einen Sinn fürs Lebendige und packende Perspektiven ausweist. 1874 erhielt er eine Professur an der Dresdner Kunstakademie.

Über die Person der „Großmutter“ ist leider wenig bekannt, ihre persönlichen Unterlagen sind verloren. Charlotte Dorothea muß oft krank gewesen sein und starb 1866 im Alter von 60 Jahren in St. Petersburg. So konnte sie den lange geplanten Umzug ihrer Familie im Jahre 1867 von St. Petersburg nach Dresden nicht mehr miterleben. Dort erwarb ihr Gemahl für die Söhne die Rittergüter Lockwitz, Prohlis und Bärenklause. Seitdem hatten Charlotte Dorotheas Nachkommen für die Geschichte der Dörfer Lockwitz und Prohlis bis 1945 insbesondere in sozialen und kulturellen Bereichen große Bedeutung. Mit Erhebung ihres Gemahls in den erblichen Freiherrenstand 1868 wurde sie zur Stammutter aller Freiherren von Kap-herr. Ihre letzte Ruhestätte fand Charlotte Dorothea im Familienmausoleum an der Krähenhütte in Lockwitz. Vielleicht läßt aber ihr Grabspruch Rückschlüsse auf ihr Wesen zu, der lautet: „Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“ (1.Cor.13,13).

Das Gemälde von Julius Scholtz befindet sich heute als Leihgabe der Familie in der Gemäldegalerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen zu Dresden.

Moritz Frhr. v. Crailsheim                                 Mail an den Autor
(Urururenkel von Charlotte Dorothea)

Dieser Artikel erschien im Jahr 2000 in der Festschrift des 9. Prohliser Herbstfestes.

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