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Geschichten aus dem alten Prohlis

Schloß Lockwitz

Schloß Lockwitz

Der heute im Ortsamtsbereich Prohlis gelegene Stadtteil Lockwitz ist erstmals im Jahr 1288 urkundlich erwähnt, und zwar als sorbisches Dorf mit dem alten Namen Lucasicz.

Mittelpunkt in Lockwitz war immer das Rittergut mit Herrenhaus, dessen Bestehen erstmals im Jahr 1349 dokumentiert ist. Auf eine bewegte Geschichte des Rittergutes lässt schließen, dass es von 1349 bis 1945 mindestens 13 Mal den Besitzer (meist Adelsfamilien) wechselte. Dem entsprechend häufig wurden auch bauliche Veränderungen unter- schiedlicher Ausmaße vorgenommen.

Schloß Lockwitz mit Kirche

So führte zum Beispiel Hofmarschall Johann Georg von Osterhausen im Jahr 1620 die Rittergüter Lockwitz und Nickern zusammen, er ließ in Lockwitz 1621 ein neues Schloß und 1623 eine neue Schloßkirche errichten. Oder Geheimrat Gotthelf Friedrich von Schönberg, der 1680 und 1692 die Rittergüter Nieder- und Oberlockwitz erwarb und von 1699 bis 1702 die Schloßkirche in der bis heute erhaltenen Weise umbauen ließ. Oder Johann Friedrich Graf von Dallwitz, der etwa um 1740 wiederum ein völlig neues Schloß erbaute.

Im Jahr 1866 kaufte Carl Johann Frhr. v. Kap-herr das ca. 265 ha große Rittergut Lockwitz, verbunden mit dem Kirchenpatronat. Auch er ließ das Schloß kurz darauf umbauen und durch Aufstockung vergrößern – vermutlich von den Lockwitzer Baumeistern Carl Kirsten und Otto Kreyssig, welche für seinen Bruder 1887/88 auch Schloß Prohlis neu gestalteten.

Karl Johann und seine Nachkommen förderten weitere, zahlreiche Vorhaben in Lockwitz.
Unter anderem stiftete sein Sohn Hermann Thomas nach dem 1. Weltkrieg die neue Kirchenglocke, sein Enkel Richard Hermann richtete 1929 im großen Speisesaal des Schlosses ein Heimatmuseum ein. Im Herbst 1945 wurde das Rittergut durch Bodenreform enteignet und Richard Hermann mit seiner Familie nach Rügen deportiert. Von dort gelang ihnen später die Flucht in den Westen.

Ab 1946 befand sich im Schloß die Staatliche Feuerwehrschule. In den 50-er Jahren baute man das Innere des Schlosses vollständig um zur Betriebsschule für Geodäsie und Kartographie. Später errichtete man im Schloßpark noch 2 riesige Schulungsbaracken und 2 KFZ-Hallen für die Freiwillige Feuerwehr Lockwitz. Zuletzt befand sich dort die Vermessungsschule des Landesvermessungsamtes Sachsen.

Das Schloß und die beiden Schulungsbaracken haben aufgrund der andauernden Nutzung bis zur Schulschließung im Jahr 2001 einen halbwegs funktionsfähigen Zustand bewahrt. Die zur Schloßanlage gehörigen Wirtschaftsgebäude und Wohnhäuser sind jedoch größtenteils verfallen.

Moritz Frhr. v. Crailsheim                   Mail an den Autor

Dieser Artikel erschien im Jahr 2002 in der Festschrift des 11. Prohliser Herbstfestes.

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