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Geschichten aus dem alten Prohlis

Das Palais Kap-herr

Palais Kap-her

In vielen Büchern über Dresdner Architektur wird das Palais Kap-herr an der Parkstraße 7/ Ecke Gellertstraße erwähnt, häufig sogar als kostbarster Privatbau in Dresden. Tatsächlich gehörte das Palais Kap-herr neben dem vom Architekten Gottfried Semper errichteten Palais Oppenheim an der Bürgerwiese 5 - 7 zu den beiden stattlichsten Villen in Dresden.

Das Palais Kap-herr wurde 1872–1874 vom Architekten Bernhard Schreiber errichtet. Er war Schüler des Georg Hermann Nicolai, der wiederum als ehemaliger Schüler von Gottfried

Das Palais Kap-herr

Semper 1850 dessen Nachfolger an der Neuen Dresdner Architekturschule der Dresdner Kunstakademie geworden war.

Der zweigeschossige Sandsteinbau hatte vier durchgegliederte, aufwendig gestaltete Fassaden mit Motiven italienischer Stadtpaläste im Stil der Neorenaissance. Die zur Parkstraße gerichtete ca. 46 m breite Hauptfassade war als Stadtpalast mit vorgelagerter Auffahrt und darüberliegender Loggia entworfen, die zur Gellertstraße gerichtete ca. 29 m breite Seitenfassade war villenartig mit zwei doppelgeschossigen Loggien gestaltet. Die innere Struktur erfolgte nach der „Zentralraumidee“ als dem wichtigsten Motiv von Gottfried Semper: ein oktogonaler Zentralraum in Grundriß und Schnitt erstreckt sich über Parterre- und Obergeschoß. Für die Innenausstattung verwendete man edelste Materialien.

Bauherr dieser monumentalen Villa war der Bankier und Kaiserlich Russische Staatsrat Hermann Christian Frhr. v. Kap-herr, der Vater der ersten Kap-herr‘s auf den Schloßgütern Lockwitz, Bärenklause und Prohlis. Anläßlich seines Umzugs von St. Petersburg nach Dresden erwarb er 1867 erst das oben erwähnte Palais Oppenheim, welches er aber 1869 wieder an den Bankier Felix v. Kaskel verkaufte. Für sich und die Familie seines erstgeborenen Sohnes, Karl Johann auf Lockwitz, ließ er daraufhin für ca. 630.000 Mark das neue Stadtpalais errichten, welches auch bei der Umgestaltung von Schloß Prohlis 1887–1888 in vielen Details als Vorbild dienen sollte.

Wesentliche Zweckbestimmung des mit ca. 4.000 qm Nutzfläche für heutige Verhältnisse riesigen Palais Kap-herr war neben der Wohnnutzung wohl die öffentliche Repräsentation. Im Parterre befanden sich die Wohn- und Schlafräume der Familie sowie Entree, Vestibül und Haupttreppe zu den prachtvollen Repräsentations- und Empfangsräumen im Obergeschoß. Im
Souterrain befanden sich die Personal- und Versorgungsräume, ein Seitengebäude beherbergte Kutscherhaus und Pferdeställe.

Das Palais Kap-herr kam nach Karl Johann‘s Tod um 1920 in königlichen Besitz und diente seitdem u.a. als Ausstellungsgebäude, so von 1925 –1931 für Teile der Neuen Abteilung der Gemäldegalerie. Nach den Luftangriffen im Februar 1945 brannte das Palais völlig aus. Trotz heftiger Proteste des Landesdenkmalamts begannen ab 1952 Abrißarbeiten und Sprengungen, 1959 wurde eines der letzten damals in Dresden noch vorhandenen Baudenkmale im Stil der Semper-Nicolai-Schule völlig beseitigt. Heute ist das Grundstück Teil von Wiesen und Straßen.

Moritz Frhr. v. Crailsheim                       Mail an den Autor

Dieser Artikel erschien im Jahr 2003 in der Festschrift des 12. Prohliser Herbstfestes.

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