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Geschichten aus dem alten Prohlis

Egon Freiherr von Kap-herr

Egon Freiherr von Kap-herr

Vielfach fragt man sich nach einem Zusammenhang zwischen dem bekannten Schriftsteller Egon Freiherr von Kap-herr und Prohlis.

Kurzum, am 30.10.1877 wurde Egon Freiherr von Kapherr auf dem väterlichen Schloß Bärenklause geboren.
Schon 1885 verlor er seinen Vater Hermann Friedrich, dessen Bruder Johann Christian Freiherr von Kap-herr das Schloß Prohlis erbaut hatte. Seine Mutter stammte aus Livland und nahm, als sie 1887 das Rittergut Bärenklause verkaufte und sich 1888 in ihre Heimat wieder verheiratete, ihren Sohn erster Ehe dorthin mit.

In den wildreichen und ausgedehnten Wäldern des Baltikums entwickelte der lebhafte Egon eine große Liebe zur Natur, insbesondere zur Tierwelt. So folgten dem Studium von Forstfach und Zoologie Tätigkeiten als Förster und Landwirt in Livland, später auch im Innern Rußlands. Egon wurde leidenschaftlicher Jäger.

Seine erste Reise nach Sibirien im Jahre 1908 fesselte Egon derart, daß er seitdem jährlich im Sommer ausgedehnte Reisen dorthin machte und 1910 sogar – zusammen mit seinem kaukasischen Freund, dem

Fürsten Dshaparidse – in Nordwestsibirien ein Fischereiunternehmen gründete. Und er verfasste sein erstes Werk mit dem Titel „Das Elchwild“.

Die Winter verbrachte Egon jedoch meist in Deutschland, dort widmete er sich immer häufiger der Tier- und Jagdschriftstellerei. Im Jahr 1912 heiratete Egon in 2. Ehe die Tochter eines Berliner Verlegers, sie wurde ihm treue Begleiterin auf seinen Reisen. Nach dem 1. Weltkrieg, wo er als deutscher Offizier diente, verblieb ihm nur noch die Bewirtschaftung seines Hofguts in Schönholz bei Eberswalde – und das Schreiben.

Zuletzt lebte Egon seit 1926 mit seiner 3. Frau Maria und seinem Dackel Moritz in einem burgartigen Anwesen auf der Düne Hagenshöhe bei Altwarp am Stettiner Haff nahe Ueckermünde.
Am 12.9.1935 verstarb er in Greifswald an Tuberkulose. Sein letztes Werk: „Die Heideleute von Babenhusen“.

Egon Freiherr von Kap-herr verfasste in weit mehr als 50 Büchern wissenschaftliche Beiträge über Menschen und Tiere, Geschichten über Jagd und Reisen, Seltsamkeiten über Jäger und Abenteurer. Seine Bücher wurden in führenden deutschen Forst- und Jagdverlagen verlegt, noch in den ersten Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg war er ein gern gelesener Autor.

Die Familiensage, wonach „Egon noch beim Beten log“, möge mit nachfolgendem Zitat eines verwandten Nachfahren erklärt sein: „... dies, wiewohl Egon manchmal schrecklich zum Aufschneiden neigte, unter anderem in seiner Schilderung des Fangs eines jungen Mammuts, das – da unter einer Eisschicht Sibiriens entdeckt und wiederbelebt – auf der Bahn schon nach China unterwegs war, als irgendwelche chinesischen Ganoven den letzten Wagen des Zuges abkoppelten, ausplünderten und das junge Mammut, da ihnen unbekannt, verbrannten ...“.

Moritz Frhr. v. Crailsheim                              Mail an den Autor

Dieser Artikel erschien im Jahr 2004 in der Festschrift des 13. Prohliser Herbstfestes.

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